Foliendekorierung (IML/IMD)

In der modernen Kunststoffverarbeitung spielen hochwertige und langlebige Oberflächen eine immer wichtigere Rolle. Verbraucher erwarten Produkte, die nicht nur funktional sind, sondern auch optisch ansprechend wirken und gleichzeitig widerstandsfähig gegenüber Kratzern, Feuchtigkeit oder UV-Strahlung sind. Besonders im Automobil-, Elektronik- und Haushaltsgerätebereich kommen deshalb innovative Folienverfahren zum Einsatz.

Zwei der wichtigsten Technologien sind das In Mold Labelling (IML) und das In Mold Decoration (IMD). Beide Verfahren integrieren Dekore bereits während des Spritzgießprozesses in das Kunststoffbauteil, unterscheiden sie sich aber hinsichtlich ihrer Materialien, Anwendungsbereiche und technischen Möglichkeiten.

In Mold Labelling (IML) - Funktionsprinzip

Beim In Mold Labelling wird ein (bedruckter, gemäß der Teilegeometrie geformter und ausgestanzter) Folienrohling vor dem Spritzgießen in das geöffnete Werkzeug eingelegt und meist durch Vakuum oder elektrostatische Aufladung an der Werkzeugwand fixiert. Anschließend spritzt man die Kunststoffschmelze unter hohem Druck in die Form ein.

Während des Einspritzens verbindet sich die Folie dauerhaft mit dem geschmolzenen Kunststoff. Nach dem Abkühlen wird das fertige Bauteil zusammen mit dem fest integrierten Dekor ausgeworfen. Es gibt zwei Varianten, was die Anordnung der einzelnen Bauteilschichten angeht.

Variante 1 - Hinterspritzen
  1. Folie: 0,2 - 0,375 mm
  2. Farbe: 0,025 mm
  3. Thermoplast: min. 0,1 mm
Variante 2 - Vorderspritzen (Glaseffekt)
  1. Thermoplast: min. 2,5 mm transparent
  2. Folie: 0,2 - 0,375 mm
  3. Farbe: min. 0,025 mm 

Beim Hinterspritzen ist das Dekor zwischen Bauteilkörper und Foliendeckschicht eingeschlossen und somit geschützt. Variante 2 (Vorderspritzen) erzeigt Bauteile mit einem spannenden Tiefeneffekt. Das Dekor liegt unter einer glasähnlichen Schicht von mehreren Millimetern. Beim Einbau der Komponenten muss darauf geachtet werden, es nicht zu beschädigen.

Vorteile des In Mold Labelling
  • Hohe Qualität der Oberflächen, perfekte Druckbilder mit brillanten Farben und ggf. fotorealistischen Motiven
  • Optische Effekte wie Black Panel (Verschwindeeffekt), Tag/Nacht-Design, Chromoptik
  • Mögliche Integration von Elektronik ins Bauteil, kapazitive Bedienung (durch Druck von leitfähigen Schichten auf die Folie)
  • Bedruckte Folie verbindet sich vollständig mit dem Kunststoff, keine ablösbaren Kanten
  • Dekoration ist widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit, Chemikalien, Abrieb und UV-Strahlung
  • Wirtschaftliche Produktion: Keine zusätzlichen Produktionsschritte wie Lackierung oder Bedruckung nötig
Ablauf des IML-Prozesses

Der Herstellungsprozess gliedert sich in mehrere Schritte:

  1. Dekorierung der Folie im Siebdruck.
  2. 3D-Formen und Ausstanzen des Folienrohlings.
  3. Einlegen des Rohlings in das Spritzgießwerkzeug.
  4. Fixierung per Vakuum oder statischer Aufladung.
  5. Einspritzen der Kunststoffschmelze.
  6. Verbindung von Rohling und Kunststoff.
  7. Abkühlen und Entformen des fertigen Bauteils.

In modernen Produktionsanlagen erfolgt der Rohlinge meist vollautomatisch durch Roboter. Dadurch werden hohe Stückzahlen bei gleichbleibender Qualität erreicht.

Materialien

Für das IML-Verfahren werden überwiegend Folien aus Thermoplasten verwendet. Die Wahl des Materials richtet sich nach dem Werkstoff des Spritzgussteils. Beide sollten möglichst ähnliche Eigenschaften besitzen, damit sie sich während des Spritzgießprozesses optimal miteinander verbinden.

Einsatzgebiete

In Mold Labelling wird bei Technischen Teilen überall dort eingesetzt, wo hochwertige Oberflächen gepaart mit einer bestimmten Funktionalität gefragt sind. Typische Produkte sind:

  • Bedienelemente im Autoinnenraum
  • Blenden von elektrischen Haushaltsgeräten
  • Weiße Ware
  • Medizinische Geräte

In Mold Decoration (IMD) - Grundprinzip

Das In Mold Decoration-Verfahren verfolgt ebenfalls das Ziel, Dekore während des Spritzgießens dauerhaft in das Kunststoffbauteil einzubringen. Im Gegensatz zum IML findet hier jedoch ein Transfer der Druckschichten von der Folie auf das Bauteil statt. Die Folie selbst verbindet sich nicht mit der Oberfläche.

Folienpositionierung

Spritzen

Entformen

Die dekorierte Trägerfolie durchläuft das Spritzgießwerkzeug. Durch Wärme und Druck wird das aufgebrachte Farbpaket auf die Bauteiloberfläche übertragen und verbindet sich dauerhaft mit dem Kunststoff. Nach dem Öffnen des Werkzeugs wird das fertige Bauteil entnommen.

Neben farbigen Motiven können auch Funktionsschichten übertragen werden:

  • Metallic-Oberflächen
  • Holzdekore
  • Carbonoptik
  • Hochglanzoberflächen
  • Mattstrukturen
  • leitfähige Schichten

Dadurch lassen sich deutlich komplexere und hochwertigere Oberflächen herstellen.

Materialien

Die verwendeten Dekorfolien bestehen häufig aus:

  • Polycarbonat (PC)
  • Polyester (PET)
  • Polycarbonat-Blend
  • PMMA (Acryl)

Zusätzlich besitzen sie mehrere Funktionsschichten:

  • Schutzlack
  • Farbschicht
  • Dekorschicht
  • Klebeschicht
  • Trägerfolie

Dadurch entstehen besonders hochwertige und widerstandsfähige Oberflächen.

Vorteile des IMD-Verfahrens

Ein großer Vorteil liegt in den nahezu unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten. Es können hochglänzende, matte, strukturierte oder metallische Oberflächen erzeugt werden.

Die Dekoration ist dauerhaft geschützt, da sie unter einer transparenten Schutzschicht liegt. Kratzer, Reinigungsmittel oder UV-Strahlung beeinträchtigen das Dekor kaum.

Zusätzlich können mehrere Funktionen in einer einzigen Folie kombiniert werden. Moderne IMD-Folien ermöglichen beispielsweise beleuchtete Bedienelemente, kapazitive Touchsensoren oder integrierte Schaltflächen.

Da Dekoration und Formgebung gleichzeitig erfolgen, entfällt auch hier eine nachträgliche Lackierung oder Bedruckung.

Anwendungsgebiete

Das Verfahren wird vor allem bei hochwertigen Produkten eingesetzt:

  • Armaturenbretter im Automobilbau
  • Bedienblenden
  • Haushaltsgeräte
  • Smartphones
  • Tablets
  • medizinische Geräte
  • Unterhaltungselektronik

Insbesondere überall dort, wo Design und Funktion miteinander kombiniert werden sollen, bietet IMD große Vorteile.

Vergleich von IML und IMD

Je nach Teilegeometrie, Einsatzzweck und benötigter Stückzahl bietet sich eher das eine oder das andere Verfahren an. Manchmal ist sogar eine Kombination aus beidem die richtige Wahl. Wir beraten Sie gerne zu den Möglichkeiten.

Bedeutung für die moderne Kunststofftechnik

Die steigenden Anforderungen an Design, Nachhaltigkeit und Funktionalität führen dazu, dass sowohl IML als auch IMD immer stärker an Bedeutung gewinnen. Beide Verfahren reduzieren den Produktionsaufwand, da mehrere Fertigungsschritte in einem einzigen Prozess zusammengefasst werden.

Zudem entstehen langlebige Produkte mit hochwertigen Oberflächen, die sich nicht ablösen oder abnutzen. Gleichzeitig lassen sich Materialverbrauch und Produktionskosten senken.

Ein weiterer Vorteil besteht in der verbesserten Recyclingfähigkeit. Beim IML können Etikett und Verpackung häufig aus demselben Kunststoff bestehen. Dadurch entfällt eine aufwendige Trennung verschiedener Materialien.

Auch im Bereich der sogenannten Smart Surfaces entwickeln sich Folienverfahren kontinuierlich weiter. So lassen sich Sensoren, Beleuchtung oder berührungsempfindliche Bedienelemente integrieren und eröffnen dadurch völlig neue Möglichkeiten für zukünftige Produkte.

Fazit

In Mold Labelling und In Mold Decoration gehören heute zu den wichtigsten Verfahren der Kunststoffverarbeitung zur Herstellung hochwertiger Oberflächen. Beide Technologien verbinden Dekoration und Spritzgießprozess in einem einzigen Arbeitsschritt und ermöglichen dadurch eine dauerhafte, robuste und optisch ansprechende Gestaltung von Kunststoffbauteilen.